Kritisch, konzentriert und konzeptuell

Im Schafhof sind drei slowenische Künstler zu Gast

von Elisabeth Hoffmann, 01. November 2013

Im Rahmen des aktuellen Austauschprogramms stellen derzeit neben drei oberbayerischen Künstlern drei slowenische Künstler im Schafhof ihre neuesten Arbeiten aus. Diese sind in den letzten Monaten vor Ort entstanden, sind aber keine Ausnahmeerscheinungen im Gesamtwerk, sondern konsequente Weiterentwicklungen des jeweils persönlichen, durch und durch sehr engagierten Oeuvres. Und dieses ist bei allen dreien nicht nur höchst eigenständig, sondern auch auffallend kritisch, konzentriert und konzeptuell.

Rein stilistisch gehören die kraftvollen, expressiven Gemälde von Uros Weinberger zwar zur klassischen Genremalerei, bei näherer Betrachtung aber mutieren sie mehr und mehr zu trügerischen Bildwelten. Wie sonst sollte es möglich sein, dass eine Arbeiterin über eine Flüssigkeit läuft, dabei umzingelt ist von einem Wirrwarr aus Schläuchen und die gesamte Landschaft in einem giftigen Grün erstrahlt. Links oben in der Wolke steht „ Only few can walk on oil“ und unten links prangt das Logo von Texaco. Die Dame geht also nicht über Wasser, sondern über Öl, was die Sache aber sicher nicht leichter macht. Dasselbe Giftgrün bestimmt ein weiteres Bild, dort kombiniert mit Schwefelgelb und schmierigbraunen Arbeitern. Vergleichsweise farblos wirkt daneben das nahezu schwarz/weiße Bild mit farblosen Menschen zwischen dunkel schmierigem Öl unter bedrohlichen Dampfwolken. Ein wenig Leben bringt da lediglich das Rot des Esso-Logos hinein. Diese drei narrativen Kompositionen gehören zu der Serie „Seven Sisters“, womit die sieben großen Ölkonzerne gemeint sind. Passenderweise ebenso wie ironischerweise sind sie alle mit Ölfarben gemalt. So irreal diese Szenerien auch wirken mögen, so ist ihr Ursprung doch ein ganz und gar realer. Sie basieren auf einer Auswahl von aktuellen Dokumentarfotos, die wie in einer Collage neu zusammengesetzt werden und somit die reelle Welt in einer veränderten Zusammensetzung kritisch reflektieren.

Auch Katja Felle verweist mit ihrer konzeptuellen Malerei auf globale Problematiken, besonders auf die der Kommunikation und deren Störungsanfälligkeit. Als Paradebeispiel dienen ihr dafür alltägliche Computerstörungen, die jegliche Kommunikation sofort unterbrechen können, was jeder User aber akzeptieren muss. Um dieses Chaos zu fixieren übersetzt Felle die Überlagerung der Informationen in dichte, vielschichtige, starkfarbige Gemälde, die an die Leuchtkraft der Bildschirme erinnern. Schicht für Schicht legt sie Linien, Raster und amorphe Formen in allen Farben übereinander, kontrastiert organische mit anorganischen Formen und konserviert so das vergängliche Computerbild in konzentrierter Form für die Ewigkeit. Als Medium nutzt sie die gleichfalls moderne, schnelltrocknende Acrylfarbe, mit der sich (fast) so zügig Arbeiten lässt, wie mit dem Computer.

Ähnlich wie Weinberger und Felle stützt sich der experimentell vorgehende Bildhauer Jure Markota auf vorhandenes Material, jedoch dient es ihm nicht als Grundlage für Transformationen, sondern er recycelt es schlicht. Er lehnt sich mit seinen skulpturalen, raumbezogenen Installationen gegen den Kapitalismus und den grenzenlosen Kaufrausch auf. Typischerweise verwendet er sorgfältig ausgewählte, alltägliche Gebrauchsgegenstände, die er nach minimaler Bearbeitung in einem neuen Zusammenhang arrangiert, womit sich die Bedeutung der Dinge verändert und ganz neue Facetten in Erscheinung treten können. Die Dachlatten für seine nestförmige Arbeit im Schafhof stammen zudem aus einer erst kürzlich abgebauten Installation von Karlheinz Einberger, so wurde aus schnödem Baumaterial gleich zweimal Kunst, was wohl eher selten vorkommt. Markota hat den Latten lediglich mit Feuer, das gleichermaßen Leben spendet wie vernichtet, etwas Patina gegeben und unterstreicht damit den Symbolgehalt des Nestes. So versinnbildlicht diese Arbeit vortrefflich seine Suche nach der Grenze zwischen Kunst und Leben, was letztlich auch für die Werke seiner beiden slowenischen Kollegen gilt.