25 Jahre Freising Grizzlies

Softball-Juniorinnen auf Erfolgskurs

von Katrin Stockheim, 01. November 2013

Was in den USA der beliebteste Breitensport ist, zählt in Deutschland bis jetzt noch zu den Nischensportarten: Baseball. Doch Vereine wie die Freising Grizzlies machen vor, wie erfolgreich diese Mannschaftssportart sein kann. Denn mit seinen 180 Mitgliedern gehört die Abteilung des BC Attaching zu den größten und erfolgreichsten Baseball- und Softballvereinen in Deutschland. Insbesondere im Nachwuchsbereich punkten die Grizzlies mit Meistertiteln und Pokalsiegen.

Die Amerikaner führten Baseball nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland als Integrationsprogramm ein, der in den 1950er Jahren rasch sehr beliebt wurde. Doch bereits in den folgenden Jahrzehnten ging das Interesse dermaßen zurück, dass die bundesweite Verbandsarbeit fast zum Erliegen kam. In den 1980er Jahren dann begann die eigentliche Geschichte des Baseball- und Softballsports in Deutschland. Auch Freisinger Sportbegeisterte ließen sich von Martin Miller, dem damaligen Vorsitzenden des Baseball- und Softballverbands, überzeugen, und gründeten 1988 die Freising Grizzlies. Das 25-jährige Jubiläum nutzte die Abteilung, um ihr Logo zu überarbeiten und schrittweise neue Spieleruniformen einzuführen. Beim großen Sommerfest im Juli mit Gästen aus den USA wurde an alte Zeiten erinnert und auf den Höhepunkt des Jahres 2013 hingefiebert: die Deutsche Meisterschaft der  Juniorinnen im Softball am 12. und 13. Oktober. Sechs Mannschaften – Landesmeister und Vizemeister – tummelten sich an diesem Wochenende auf dem Gelände. Darunter auch die U19-Mannschaft der Grizzlies, die in diesem Jahr erstmals Bayerischer Meister wurde und nach diesem Meisterschaftswochenende als Drittplatzierte vom Platz ging. Eine Vielzahl der visuellen Eindrücke und Ergebnisse gibt es auf der Grizzlies-Webseite www.grizzlies.de.

Drei junge Damen, die bereits in der Grundschule mit dem Softball begonnen haben, sind Hannah Link, 16 Jahre, aus Marzling, Julia Triflinger, ebenfalls 16 Jahre, aus Erding und Rebecca Hillebrand, 17 Jahre, aus Oberding. Zweimal die Woche lassen sie sich nach Attaching zum Training fahren. Mit den Damenmannschaften 1 und 2 geht es am Wochenende manchmal für einen Tag, manchmal auch für zwei Tage zu Ligaspielen in ganz Bayern. Hinzu kommt die Teilnahme an der Bayernauswahl, mit der die drei Mädels im Mai 2013 den Pokalsieg holten. Und auf Hannah Link wartet einmal im Monat noch das Training der U19-Nationalmannschaft, die 2014 an der Europameisterschaft teilnehmen wird. Trotz der vielen Siege und Meistertitel, die die Drei seit Beginn ihrer sportlichen Laufbahn errungen haben, wirken alle entspannt und natürlich. Auf die Frage, ob ihnen bewusst ist, welche enorme Leistung sie seit Jahren erbringen, folgt allgemeines Achselzucken und Kichern. Und bleibt bei dem hohen Trainingsaufwand noch Zeit für Freunde, Schule und Ausbildung? „Das Privatleben und der Softball, das  sind zwei verschiedene Welten“, erklärt Rebecca Hillebrand. „Auch wenn wir am Wochenende tags unterwegs sind, bleibt abends noch Zeit, um sich mit privaten Freunden zu treffen.“ „Das Interesse bei denen ist sowieso gering, sie haben keinen Bezug zum Softball“, ergänzt Hannah Link. „Außerdem sind wir doch das ganze Wochenende bei den Spielen auch als Freundinnen zusammen.“ Auch den ‚verpassten‘ Aufstieg der Damen 1-Mannschaft in die Bundesliga nehmen sie gelassen. Ja, bestätigen alle drei, die Erfahrung wäre bestimmt toll gewesen, „wir haben aber einfach noch zu wenige altersgerechte Spielerinnen, um in der Bundesliga zu spielen, und haben uns daher dagegen entschieden“, nennt Julia Triflinger die Hintergründe. Sowohl mit der U16- als auch mit der U19-Softball-Mannschaft haben Hannah, Julia und Rebecca in den vergangenen Jahren an Deutschen Meisterschaften teilgenommen. Dreimal in Folge sprang für die U16-Spielerinnen der Grizzlies von 2010 bis 2012 der Meistertitel heraus; 2013 wurden sie Vizemeister. Im Oktober konnten sie nun die U19-Meisterschaft auf dem eigenen Feld erleben. „Das war schon etwas anderes. Als Gast fährst du einfach zum Spiel. Was es alles im Hintergrund zu organisieren gibt, war mir bisher nicht bewusst“, beschreibt Hannah ihre Eindrücke. „Und daheim hat man Zuschauer“, gibt Julia lachend zu. Mit dem dritten Platz sind sie auf jeden Fall zufrieden. Denn schließlich sind sie eine noch sehr junge Mannschaft. Während bei den Gegnern viele Spielerinnen aus der U19-Gruppierung ausscheiden und ganze Teams auseinanderfallen, können die Softball-Juniorinnen der Grizzlies im kommenden Jahr mit derselben Mannschaft erneut angreifen. Und dass sie wieder angreifen werden, ist für jede der Drei das Selbstverständlichste der Welt.